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Die Entwicklung der Gitarre in Klassik und Romantik (1750-1850)

Mit der Epoche der Klassik ist die Zeit der hochkomplexen Barock-Musik vorbei. Nun bestimmen einfache Melodien und reduzierte Harmonien die Musik. In anderen Kulturrichtungen spricht man auch von Klassizismus, was aber dieselbe Periode bezeichnet.

Wiener Klassik 1770-1830

Sowohl in der Musik - hier Klassik oder Wiener Klassik genannt - als auch anderen Künsten wie Literatur und Malerei des Klassizismus bestand eine neue Einfachheit. Schlichte und klare Formen herrschen vor. Mit Mozart und Haydn bestimmen Komponisten aus dem Wiener Umfeld die Musik, daher die Bezeichnung Wiener Klassik. Zusammen mit Beethoven gelten sie als die wichtigsten musikalischen Schöpfer dieser Zeit.

Das Klavier, seit wenigen Jahrzehnten bekannt, setzt sich schnell als wichtigstes Soloinstrument durch. Eine große Zahl an Kompositionen entstehen speziell für dieses Instrument.

Die moderne Gitarre entsteht

Im 18. Jahrhundert ergeben sich viele Änderungen der Gitarre, hin zu dem Instrument wie wir es heute kennen. Der genaue technische und musikalische Ursprung vieler Änderungen ist aber oft unsicher.

Die Gitarre hat keinen besonders großen Status, und es ist wenig über Kompositionen und Lehrmaterial bekannt. Angesichts der Menge und des Tempos der Veränderungen ist dies aber zu erwarten. Die Entwicklung vollzieht sich scheinbar hintergründig, tatsächlich ist diese Zeit sehr wichtig und ergiebig und beschreibt den Wandel hin zu einem vollwertigen Instrument.

Ein sechstes Saitenpaar wird der Gitarre hinzugefügt. Die Stimmung E-A-D-G-h-e entspricht nun der einer heutigen Gitarre. Später erlaubt es die verbesserte Technik der Saitenproduktion, auf die Chörigkeit zu verzichten und 6 Einzelsaiten aufzuspannen. Auch die Technik des Gitarrenbaus verbessert sich. Die Hölzer werden dünner und der Korpus größer, was den Klang im Bassbereich verbessert.

Musik abseits der herrschaftlichen Höfe

Ende des 18. Jahrhunderts beginnt die Entwicklung von staatlichen Strukturen mit mehr Einbeziehung des Volkes. Die Volksmusik der breiten Masse und die Kunstmusik, welche ausschließlich am Hofe gespielt wurde, vermischen sich. Theoretisch hat nun jeder die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen.

Die wichtigsten Städte für Gitarrenmusik dieser Zeit sind wohl Paris und Wien gewesen. Hier halten die berühmten Gitarrenmusiker, meist aus Spanien oder Italien stammend, Konzerte und Unterricht ab. London wird später zu einem weiteren Anziehungspunkt gerade für deutsche Gitarristen.

Weitere musikalische Entwicklung der Romantik

In der Epoche der Romantik im Anschluss an die Wiener Klassik werden die Elemente Harmonik und Klangfarben weiter entwickelt. Es entstehen Opern und monumentale Instrumentalmusik. Die Musik wird erzählerisch und beschreibt oft Sagen und Fantasien, später zunehmend Themen der Weltliteratur.

Eine Beschreibung der literarischen Inhalte der Romantik findest du unter https://lyrik.antikoerperchen.de/blog/lyrik/die-epoche-der-lyrischen-romantik/

Wenn auch die Gitarre kein Orchesterinstrument ist, werden in dieser Epoche von Spanien ausgehend entscheidende Entwicklungen eingeleitet.

Fernando Sor (1778-1839) Bedeutender Gitarrist, Komponist und Lehrer. Veröffentlichte über 60 Werke und das Lehrwerk "Méthode pour la Guitare".
Gemälde von Fernando Sor Public Domain

Spieltechnische Entwicklung

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts werden Spieltechnik und -haltung entscheidend verbessert. Das Zupfen mit Fingernägeln und die Benutzung des Fußbänkchens gehen auf diese Zeit zurück.

Noch gibt es aber keine einheitliche Schule für das Gitarrenspiel. Stattdessen beschreiben und illustrieren bekannte und heute noch namhafte Gitarristen dieser Zeit ihren eigenen Spielansatz in Lehrbüchern. Die Unterschiede sind überraschend groß.

Tárrega und Torres

Francisco Tárrega (1852 - 1909) Begründer der neuen spanischen Gitarrenschule mit heute noch gültigen technischen und spielerischen Vorgaben
Gemälde von Francisco Tárrega Public Domain

In der Mitte des 19. Jahrhunderts steht die Entwicklung der Gitarre still. Die berühmten Gitarristen aus Zeiten der Klassik sind verstorben, und zunächst boten sich keine Nachfolger an. Die verbreitete Musik im Europa dieser Zeit sind italienische Klaviermusik und Opern.

Dann erscheint mit Francisco Tárrega Der neue Gitarrist, der die technische Vielfalt der früheren Generation von Gitarristen zu einer neuen gesamtheitlichen Schule vereint. Seine Spieltechnik ist die heute noch gelehrte klassische Haltung und Spielweise. Er gilt als Begründer der modernen spanischen Gitarrenschule. So prägt er nicht nur die nächste Generation wichtiger Gitarristen, sondern veröffentlicht auch wichtige Bearbeitungen klassischer und barocker Musik seiner Zeit.

Unterstützung erfährt er dabei durch A. Torres, einen Gitarrenbauer, dessen Schaffen ähnlich revolutionär war. Mit seiner speziellen Form des Gitarrenbaus wird die Gitarre lauter und für größere Aufführungen geeignet. Alle von ihm eingeführten Neuerungen haben sich in ihrer Idee bis heute durchgesetzt.

Quellen:

Tabazar - Geschichte der Gitarre
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Klassik
https://www.prüfung-ratgeber.de/2012/06/wiener-klassik-merkmale-und-musik/